Bewerbungsrede von Eka von Kalben auf Platz 3

Ekas Rede auf unserem Youtube-Kanal
Es gilt das gesprochene Wort.
Guten Morgen liebe Freundinnen und Freunde,
Ich bin mit 18 Mutter geworden. Das bedeutete, dass ich früh Verantwortung übernommen habe und gelernt habe für meine Rechte zu streiten. Für mich und meine Tochter, aber auch für eine Welt, in der meine Kinder und Enkel -einen hab ich bereits - noch leben können.
Deshalb bin ich auch bei den Grünen eingetreten. Ich wollte mich neben Elternarbeit in Kita und Schule für die Zukunft der Menschen einsetzen. Ich wollte mich den Fragen kommender Generationen stellen können:- Was hast Du getan gegen die Zerstörung des Klimas und der Umwelt? - Warum hast Du nicht verhindert, dass wir jetzt auf dem Atommüll und den Schuldenbergen sitzen? - Und hast Du für Frieden und soziale Gerechtigkeit gestritten?„Ja“, werde ich dann antworten: „Ich habe mich bei den Grünen engagiert!“ Der Partei, die sich wie keine andere der Verantwortung für die Zukunft in einer globalen Welt stellt. Unsere Partei.Vor zwei Jahren hab Ihr mich zu Eurer Landesvorsitzenden gewählt und ich habe viele verschiedene Themenfelder bearbeitet und Projekte angestoßen.
Aber das, was mich wirklich umtreibt, was mich zornig macht und wogegen ich kämpfen will, sind noch immer die Ungerechtigkeiten und der Egoismus in der Gesellschaft. Eines der reichsten Länder der Welt spaltet sich immer weiter in Arm und Reich auf und lebt mit seinem Ressourcenverbrauch auf Kosten der Zukunft – das ist empörend, das ist unanständig, das ist falsch! Im März 2010 sind wir als Landesvorstand mit dem Thema Gerechtigkeit gestartet. Wir Grüne denken Gerechtigkeit weiter als die anderen. - Wir wollen niemals nationale Verteilungsgerechtigkeit gegen globale Gerechtigkeit ausspielen. - Wollen nicht im Namen der Leistungsgerechtigkeit Chancengerechtigkeit für alle Kinder unter den Tisch fallen lassen. - Wollen bei der Teilhabegerechtigkeit nicht die Frauen gegen MigrantInnen oder andere Bevölkerungsgruppen ausspielen.
Und, liebe Freundinnen und Freunde, - Gerechtigkeit umfasst bei uns auch ökologische Gerechtigkeit und die Zukunft derer, die heute noch nicht geboren sind. Ich habe beschlossen mich über Ungerechtigkeiten nicht mehr zu ärgern, sondern sie zu bekämpfen. Sich zu ärgern, bedeutet unter den Fehlern der anderen zu leiden. Ich will nicht Wutbürgerin sondern Mutbürgerin sein. Und diesen Mut möchte ich nun auch in den Landtag tragen. Kindern eine ChanceIch will zum Beispiel dort mit Mut streiten, wo Kinder keine gerechten Chancen haben, nur weil ihre Eltern nicht die passende Herkunft, das ausreichende Einkommen haben oder sich schlicht keine Zeit nehmen und nehmen können. Ich will dafür streiten, dass sie durch ein gut ausgebautes ganztägiges System gefördert werden. Die Schulen und Kindergärten sollten Bildungs- und Freizeitorte werden. Unser Konzept der Familienzentren ist dafür der richtige Ansatz. Freizeitangebote dürfen gerade im ländlichen Raum nicht vom funktionierenden Taxibetrieb der Eltern abhängig sein.
Das ist im Übrigen nicht linke Träumerei und revolutionär, sondern globaler Standard und sollte wohl auch in Schleswig-Holstein möglich sein. Ja, das Land allein hat dafür nicht die ausreichenden Mittel und nicht die Steuerhoheit für mehr Einnahmen zu sorgen. Aber:Dass die Union stattdessen das Betreuungsgeld einführen will, ist eine Unverschämtheit. Wenn`s offenbar doch Geld beim Bund gibt, dann sollte es in die Bildungsinfrastruktur gesteckt werden und wenn den Bayern im Bundestag das nicht passt, dann soll die Bundesregierung das Geld doch lieber den Ländern und Kommunen zur Förderung von Kleinkindern überlassen. Die wissen genau wo der Bedarf ist. Migration und FluchtIch will aber auch mit Mut für die streiten, denen es auf Grund ihrer Herkunft, ihrer mangelnden Sprachkenntnisse oder ihres ungesicherten Aufenthaltsstatuts schwer gemacht wird, sich bei uns willkommen zu fühlen.Und so sehr ich finde, dass es eine schlichte Frage der Menschlichkeit ist, Menschen Zuflucht zu geben, so sehr ist es doch auch eine hartökonomische Wahrheit, dass wir Zuwanderung brauchen und dass wir die Menschen, die hier aufgewachsen sind, halten müssen, weil wir sie brauchen. Wir brauchen eine offenere, tolerantere Gesellschaft. In der in allen Positionen Menschen mit unterschiedlichsten Talenten und Geschichten miteinander leben und arbeiten. Da können wir in der Politik - aber auch in unserer Partei - Vorbild sein und noch viel, viel besser werden. Im Zusammenhang mit unserer grünen Tour der Vielfalt besuchten wir eine Mosche. Ein gut ausgebildeter junger Mensch, der hier geboren und aufgewachsen ist, berichtete uns von seinem Ziel zurück in die Türkei zu gehen und von dem Abwanderungswunsch vieler junger Türken. Junge Menschen, die sich hier nicht beheimatet fühlen. Die nicht in die Türkei gehen wollen, wegen der Sonne, was man ja zur Zeit sehr gut verstehen könnte, sondern weil sie sich hier nicht wohl fühlen. Es ist doch eine Schande, wenn sich Menschen nach 25 Jahren hier nicht verwurzelt fühlen. Solidarität effektivIch will für die mutig streiten, die sich nicht selber helfen können, die auf unsere Solidarität angewiesen sind. Klar, das ist schwierig angesichts der knappen Kassen. Aber aus meiner langjährigen Verwaltungserfahrung weiß ich auch, wieviel Hilfen an Bürokratie scheitern. Dann wird durch die Bürokratie Geld für notwendige Hilfen verschleudert. Und das nicht, weil die Menschen in der Verwaltung faul sind und alle ineffizient arbeiten. Dieses Klischee bediene ich nicht. Nein, viele unnötige Hürden im Hilfesystem entstehen dadurch, dass wir ein Regelwerk haben, das selbst ExpertInnen nicht mehr durchblicken. Ich weiß wovon ich spreche, ich war selbst schon Expertin als auch Hilfeempfängerin. Die Hilfe muss bei den Menschen ankommen, die sie brauchen. Da kann das Land eine wichtige koordinierende Rolle spielen zwischen dem Bund und den Kommunen.Die soziale Schieflage in Deutschland ist in all den Jahren, in denen ich mich hier engagiert habe, immer größer geworden – nicht zuletzt auch durch die Politik der Grünen im Bündnis mit der SPD – und deshalb muss ich mich stärker engagieren, deshalb muss ich weiter machen, auch deshalb kandidiere ich heute hier für den Landtag.Gestern beim UV Nord meinte Herr Wachholtz, dass die Wirtschaft im Norden zur Zeit nichts weniger brauche, als eine Debatte um den Mindestlohn.
Liebe Freundinnen und Freunde ich sage dagegen: Solange es Menschen gibt, die mit einer Vollzeitstelle ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, herrscht keine Gerechtigkeit in Deutschland. Und Schleswig-Holstein sollte sich klar bekennen: Mindestlöhne sind das Mindeste! VerortungIch hoffe, Ihr hab mich persönlich als bescheiden kennengelernt, politisch bin ich unbescheiden. Und ich bin klar in meiner Sprache und meiner Haltung. Ich bin mir sicher, dass wir den Mut aufbringen müssen, der Bevölkerung deutlich zu sagen, dass es ohne eine andere Verteilung des Wohlstandes in diesem Land nicht geht. Wir müssen den Beitrag der Vermögenden einfordern und können keine vielleicht liebgewordenen Privilegien erhalten. Wir brauchen eine Umverteilungsdebatte.Weil die Grünen für Umverteilung sind, sind die Grünen für mich eine linke Partei. Und weil ich für Umverteilung bin, bin ich eine grüne Linke. Und gerade weil ich das bin, bin ich ausdrücklich für den Kurs der grünen Eigenständigkeit. Gerade weil ich weiß, dass wir auch Mist mit der SPD beschlossen haben, sage ich, wir müssen unsere Positionen entwickeln und durchhalten. Nicht schon vorab mit der Schere im Kopf uns in das Korsett des Lagerdenkens zwängen lassen. Ich will gerechte grüne Politik umsetzen. Basta.Ich bin jetzt 47. Meine erste Tochter ist 28, die anderen beiden Kinder 18 und 12, und zunehmend flügge. Jetzt ist die Zeit für mich gekommen, dass ich mich um euer Vertrauen bewerbe, die Grünen als Partei der Gerechtigkeit öffentlich zu vertreten. Deshalb bitte ich um eure Stimme.